Für den Spielfilm "Narkissos" übertrug die Künstlerin die griechische Tragödie des Narziß in die Gegenwart.

Ein beziehungsunfähiger Jüngling, in diesem Fall ein Dichter, ist zwar intelligent, aber nicht fähig, sich und andere zu begreifen. Vor allem die Bedürfnisse seines Mitbewohners und Freundes, eines arbeitslosen Tischlers, bleiben ihm verborgen. Alles kein Problem- werden doch mangelnde Sensibilität durch Charme und Charisma überspielt und dadurch für andere annehmbarer. Oft reichen jedoch Kleinigkeiten, um den labilen Zustand einseitigen Verständnisses gepaart mit grenzenloser Selbstverliebtheit unerträglich zu machen.

Klassischer Konfliktauslöser: eine Frau, eine hübsche schwedische Kellnerin im Lieblingscafe´.

Der gebürtigen Linzerin Gudrun Zemljak ist es gelungen ein zeitloses, oft erzähltes Thema eindrucksvoll und ohne Pathos zu schildern. "Narkissos" ist ein sensibler Film, der durch seine Langsamkeit ( auf schnelle Schnitte wird weitestgehend verzichtet) und seinen subtilen Humor besticht. Die Regisseurin und Drehbuchautorin baut die Geschichte linear und ruhig auf. Oft wird die Handlung nur vom Bild getragen.

Durch bewußtes Anlehnen an Traditionen alter, italienischer Meister wie Pasolini oder Fellini, die Gudrun Zemljak zu ihren Vorbildern zählt, ist ein Film entstanden, der in Zeiten hart geschnittener, clipartiger Filme erfrischend hervorsticht. Die Vorliebe für italienische Filme macht das Werk auch noch in anderer Hinsicht interessant. Der Schauplatz wird plakativ präsentiert, durch bewußt gewählte Kameraeinstellungen gewürdigt; ein Stielmittel vor allem des südeuropäischen Films. Dieses " ästhetische Verwendenden lokaler Elemente", wie es Professor Herbert Lachmayer, Vorstand des Instituts für Bildende Kunst und Kulturwissenschaften ausdrückt, befremdet wegen seiner Unmittelbarkeit. Der erfreulich nüchterne Realismus des Films verstärkt sich dadurch jedoch. Als Nebeneffekt wird die Linzer Altstadt von einer überraschenden italienischen Seite gezeigt.

 

Stefan Michalke

Uni- Nachrichten